{"id":4586,"date":"2021-03-11T11:45:28","date_gmt":"2021-03-11T10:45:28","guid":{"rendered":"https:\/\/pixolus.de\/?p=4586"},"modified":"2021-03-11T14:27:24","modified_gmt":"2021-03-11T13:27:24","slug":"ovg-stoppt-smart-meter-einbau-die-unendliche-geschichte-geht-weiter-glosse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pixolus.de\/en\/blog\/ovg-stoppt-smart-meter-einbau-die-unendliche-geschichte-geht-weiter-glosse\/","title":{"rendered":"OVG stoppt Smart Meter-Einbau &#8211; die unendliche Geschichte geht weiter (Glosse)"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Smart Meter-Einbau in Deutschland ist alles andere als eine Erfolgsstory. Hierzu unsere Glosse:<\/em><br \/>\nAm Anfang des Jahrtausends sollen Z\u00e4hlerhersteller eine kurze Goldgr\u00e4berstimmung gehabt haben: Smart Meter f\u00fcr Deutschland \u2013 ein riesiger Markt! Die Begeisterung w\u00e4hrte allerdings nur kurz und wich schnell allgemeiner Ern\u00fcchterung. Anders als viele andere Staaten tat sich Deutschland mit Smart Metern von vornherein schwer, was nicht zuletzt an einer besonders sensiblen Einstellung der Bev\u00f6lkerung zum Datenschutz liegen mag.<\/p>\n<p><strong>Verstehen Sie als intelligenter und moderner Mensch den Unterschied zwischen \u201eintelligentem Messystem&#8221; und \u201emoderner Messeinrichtung\u201c?<\/strong><br \/>\nDEN Smart Meter gibt es in Deutschland gar nicht, die Rede ist von \u201eintelligenten Messsystemen\u201c und \u201emoderne Messeinrichtungen (mME)\u201c. Die Begriffe sind etwas ungl\u00fccklich gew\u00e4hlt und werden in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung nicht auseinandergehalten:\u00a0Fragen Sie mal jemanden au\u00dferhalb der Energiebranche, ob er weiss, welches der beiden Ger\u00e4te \u00fcber einen Smart-Meter-Gateway an ein Kommunikationsnetz angeschlossen ist und bei welchem eine manuelle Ablesung weiterhin erforderlich ist. Rollierende Displayanzeigen und PIN-Eingaben per Taschenlampe sind vielleicht auch nicht die nutzerfreundlichste Vorgehensweise bei modernen Messeinrichtungen. Dies zeigte nicht zuletzt Eric Kallmeyer von Stromnetz Hamburg eindrucksvoll, dessen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=aqHauk3bNFA\">extra3-Beitrag 2017<\/a> viral ging und sich mit \u00fcber 1,8 Mio. Aufrufen hoch in den YouTube-Charts platzieren konnte.<\/p>\n<p><strong>Wohnen in Ihrem Haushalt 5 (oder mehr) Personen?\u2028<\/strong><br \/>\nZur\u00fcck zu den intelligenten Messsystemen: Sp\u00e4ter als in europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern gab es 2016 mit dem <a href=\"https:\/\/www.bmwi.de\/Redaktion\/DE\/Downloads\/Gesetz\/gesetz-zur-digitalisierung-der-energiewende.html\">Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende<\/a> endlich eine Planungsgrundlage. Grob gesagt gibt es eine Einbauverpflichtung von Smart Metern in Haushalten mit einem (durchschnittlichen) Stromverbrauch von \u00fcber 6.000 Kilowattstunden pro Jahr. Der kundige Verbraucher findet im Internet Angaben, nach denen der durchschnittliche Jahresverbrauch pro Bundesb\u00fcrger bei 1.300 Kilowattstunden liegt. Rein rechnerisch haben demnach also nur Haushalte mit 5 und mehr Personen einen Jahresverbrauch, der einen Smart Meter-Einbau erfordert. <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/167169\/umfrage\/entwicklung-der-haushaltsgroessen-in-deutschland-seit-2000\/\">Laut statista<\/a> waren das im Jahr 2019 weniger als 3,5 Prozent aller deutschen Haushalte.<\/p>\n<p><strong>Wie h\u00e4ufig wollen Sie nachts waschen?<\/strong><br \/>\nDie allermeisten Privathaushalte m\u00fcssen also gar keinen Smart Meter einf\u00fchren, d\u00fcrfen aber sehr wohl. Nur: Was soll diese Haushalte dann zu einer freiwilligen Einf\u00fchrung motivieren? Bei dieser regelm\u00e4\u00dfig auf Konferenzen gestellten Frage antworteten Referenten regelm\u00e4\u00dfig \u201eWeil Verbraucher dann ihre Waschmaschine nachts laufen lassen k\u00f6nnen und dank Smart Meter von niedrigen Stromtarifen profitieren\u201c. Nun ja, der\/die ein oder andere Konferenzteilnehmer:in verdrehte bereits die Augen beim Gedanken daran, von Schleuderg\u00e4ngen n\u00e4chtlicher Waschsessions unsanft aus dem Schlag geweckt zu werden. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2020\/08\/digitale-stromzaehler-smart-meter-effizienz-stromverbrauch\">Die Zeit<\/a> schrieb dazu unter der \u00dcberschrift &#8220;Intelligenz, die keinem hilft&#8221;: \u201eWer seine Waschmaschine, den Geschirrsp\u00fcler oder die Gefriertruhe mit Billigstrom laufen l\u00e4sst, kann damit dann aber kaum mehr als 20 Cent am Tag sparen.\u201c Allerdings \u201e<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2020\/08\/digitale-stromzaehler-smart-meter-effizienz-stromverbrauch\">Allein f\u00fcr den Ersatz des klassischen Stromz\u00e4hlers durch ein Smart Meter werden rund 100 Euro im Jahr f\u00e4llig<\/a>.\u201c Nach Adam Riese rechnet sich also ein Smart Meter f\u00fcr den deutschen Michel, wenn er seine Waschmaschine, seinen Geschirrsp\u00fcler und seine Gefriertruhe an mindestens 500 N\u00e4chten pro Jahr laufen l\u00e4sst\u2026 Zugegeben: Den Break-Even erreicht man beim regelm\u00e4\u00dfigen n\u00e4chtlichen Aufladen eines Teslas schneller \u2013 nur muss man dann eben die Anschaffungskosten eines Teslas mit in die Kalkulation aufnehmen. <a href=\"https:\/\/www.verbraucherzentrale.de\/en\/node\/13275\">Die Verbraucherschutzzentrale schreibt dazu<\/a>: \u201eAls Verbraucher k\u00f6nnen Sie sich gegen einen beschlossenen Einbau nicht wehren, obwohl teils erhebliche j\u00e4hrliche Kosten entstehen k\u00f6nnen.\u201c Halten wir fest: Es fehlt an \u00fcberzeugenden Argumenten zur freiwilligen Anschaffung eines Smart Meters.<\/p>\n<p><strong>Start 2020: Von Euphorie keine Rede\u2028<\/strong><br \/>\nWie ging es nach dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende aus dem Jahr 2016 weiter? Zun\u00e4chst einmal wurden technische Anforderungen an die intelligenten Messsysteme definiert und die Hersteller mussten nachweisen, dass die diese Standards erf\u00fcllen \u2013 beispielsweise zur Datensicherheit und zur Interoperabilit\u00e4t, also der sicheren Kommunikationsf\u00e4higkeit mit anderen Systemen unterschiedlichen Typs oder anderer Herstellern. In langwierigen Abstimmungsrunden und Arbeitskreisen der Branche wurden alle technischen Details zur Bew\u00e4ltigung der hohen Komplexit\u00e4t mit der Gr\u00fcndlichkeit deutscher Ingenieure abschlie\u00dfend geregelt \u2013\u00a0meinte man. Offen bleibt die Antwort auf die Frage, ob der Einbau der Sprinkleranlage am Berliner Flughafen oder die Interoperatibilit\u00e4t von Smart Metern komplexer ist. Eine besondere Rolle kam dem Bundesamt f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu: Die ganze Branche erwartete mit Spannung die amtliche Feststellung des BSI, das mindestens drei voneinander unabh\u00e4ngige Unternehmen intelligente Messsysteme am Markt anbieten, die den definierten Anforderungen gen\u00fcgen. Diese sogenannte Markterkl\u00e4rung des BSI kam deutlich sp\u00e4ter als erwartet, aber am 30.01.2020 war es so weit: Der Smart Meter-Einbau in Deutschland kann beginnen!<\/p>\n<p>Was hat sich seitdem getan? Man kann allenfalls von einem ged\u00e4mpften Tempo des Smart Meter-Einbaus sprechen. Die Branche st\u00f6hnt \u00fcber hohe technische Komplexit\u00e4t und die Corona-Krise hat die enormen logistischen Anforderungen weiter erh\u00f6ht. Marktf\u00fchrer E.ON vermeldete im Dezember 2020 den <a href=\"https:\/\/www.eon.com\/de\/ueber-uns\/presse\/pressemitteilungen\/2020\/eon-verbaut-20000-smart-meter-in-deutschland .html\" data-wplink-url-error=\"true\">Einbau von 20.000 Smart Metern<\/a> \u2013 das klingt nicht wirklich nach einer Erfolgsmeldung.<\/p>\n<p><strong>2021: OVG stoppt Smart Meter-Einbau<\/strong><br \/>\nUnd dann kam der 05.03.2021. Rund 50 Messstellenbetreiber lassen sich von <a href=\"https:\/\/www.die-bbh-gruppe.de\/de\/aktuelles\/news\/ovg-nrw-bescheinigt-bsi-fehlstart-beim-smart-meter-roll-out\">Becker B\u00fcttner Held (BBH)<\/a> vertreten und ziehen vor Gericht. Und tats\u00e4chlich lautet die Eilentscheidung des Oberverwaltungsgerichts M\u00fcnster: Der verpflichtenden Einbau intelligenter Messsysteme ist \u201evoraussichtlich rechtswidrig\u201c. Die am Markt angebotenen Ger\u00e4te seien nicht wie gesetzlich vorgeschrieben\u00a0hinsichtlich der geforderten Interoperabilit\u00e4t zertifiziert und eine solche Zertifizierung sei auch nicht m\u00f6glich, da sie die gesetzlich vorgeschriebene Anforderung, Daten mit anderen Systemen unterschiedlichen Typs oder Herstellern auszutauschen, nicht erf\u00fcllen. Was auch immer die rund 50 Messstellenbetreiber zur Klage motiviert haben mag: Der OVG-Entscheid schreckt die Branche auf, die Presse spricht von einer <a href=\"https:\/\/background.tagesspiegel.de\/energie-klima\/gericht-kippt-smart-meter-rollout\">schallenden Ohrfeige<\/a> und einem <a href=\"https:\/\/w3.windmesse.de\/windenergie\/pm\/36999-bbh-smart-meter-rollout-bundeamt-fur-sicherheit-in-der-informationstechnik-bsi-ovg-gericht-entscheidung-klage-nrw-messtelle\">gerichtlich best\u00e4tigten Fehlstart beim Smart Meter-Rollout<\/a>. &#8220;Schlechte Info, falsche Produkte und am Ende zu teuer&#8221; \u2013 das ist das <a href=\"https:\/\/www.bearingpoint.com\/de-de\/ueber-uns\/pressemitteilungen-und-medienberichte\/pressemitteilungen\/smart-metering-viele-kundenwuensche-werden-bisher-nicht-bedient\/\">Fazit einer aktuellen Umfrage<\/a>\u00a0von Bearing Point zum Thema Smart Metering.<\/p>\n<p><strong>Und nun?\u2028<\/strong><br \/>\nWie auch immer diese Never-Ending-Story weitergeht: Der ohnedies schleppende Smart Meter-Einbau ist vorerst gestoppt. Das Stopp-Foto im <a href=\"https:\/\/www.bbh-blog.de\/alle-themen\/energie\/qualitaet-vor-tempo-ovg-nordrhein-westfalen-stoppt-vorlaeufig-verpflichtenden-einbau-fuer-intelligente-messsysteme\/\">BBH-Blog<\/a> zeigt die momentane Smart Meter-Lage realistischer als das (urspr\u00fcngliche?) \u201el\u00e4uft\u201c-Slogan des <a href=\"https:\/\/www.z-m-p.de\">FNN Fachkongresses ZMP 2021<\/a>. Ein schwacher Trost: Der Berliner Flughafen ist Ende 2020 in Betrieb genommen worden \u2013\u00a0ganze 13 Jahre sp\u00e4ter als urspr\u00fcnglich geplant. Es wird in Deutschland viele Jahre dauern, bis Smart Meter f\u00fcr Stromz\u00e4hler (und erst recht f\u00fcr Gas- und Wasserz\u00e4hler) fl\u00e4chendeckend eingebaut sind. In den kommenden Jahren m\u00fcssen Z\u00e4hler in deutschen Kellern also weiter ganz \u00fcberwiegend von Menschen erfasst werden. Daher richtet sich der Blick verst\u00e4rkt darauf, unverletzte Z\u00e4hler m\u00f6glichst effizient und einfach zu erfassen.<\/p>\n<p><strong>Smartphone Metering statt Smart Meter<\/strong><br \/>\n\u00dcbrigens: pixolus bietet Versorgern L\u00f6sungen, um bereits jetzt in die digitale Welt zu starten. Nutzer brauchen zur Ablesung der Z\u00e4hlerst\u00e4nde nur ein Smartphone \u2013 und das hat ja heute jeder. Mehr dazu auch in der <a href=\"https:\/\/pixolus.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2021-03-11_PM-pixolus-GmbH_OVG-Muenster-stoppt-Smart-Meter-Einbau.pdf\">Pressemitteilung<\/a> von pixolus. (SKr)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Smart Meter-Einbau in Deutschland ist alles andere als eine Erfolgsstory. Hierzu unsere Glosse: Am Anfang des Jahrtausends sollen Z\u00e4hlerhersteller eine kurze Goldgr\u00e4berstimmung gehabt haben: Smart Meter f\u00fcr Deutschland \u2013 ein riesiger Markt! 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